Sonntag, 27. September 2015

Unfassbargluecklich.

Grüß Gott,
Was macht Deutschland? Schon einstellige Temperatur?
In Kasese hat die Regenzeit begonnen, es schüttet täglich, mal nur eine halbe Stunde, mal gefühlt unendlich lange. Der Regen und die Gewitter kühlen zum einen die sehr hohen Temperaturen etwas runter und geben ein wenig heimisches Deutschland-Flair, nerven zum andere aber auch etwas wenn man zum Markt oder irgendwo anders hin möchte, da auch Bodas bei den überschwemmten Straßen nicht mehr fahren.

Nichtsdestotrotz, ich fühle mich hier unfassbar wohl. In meinem Projekt hab ich endlich das Gefühl nutzvoll zu sein, ich versteh mich sehr gut mit den Leuten mit denen ich zusammen arbeite, hab tolle Freunde gefunden und bin einfach noch immer in diese wunderwunderschöne Stadt verliebt. Es ist nicht so, dass ich alles stehen und liegen lassen und für immer hier her ziehen wollen würde (dafür vermisse ich Käse und dunkles Brot schon jetzt viel zu sehr), aber ich fühl mich hier so wahnsinnig wohl und angekommen. Es ist die Art von Freiheit, die ich so noch nie hatte. Ich hätte um ehrlich zu sein nicht gedacht, dass ich so weit weg von allem Gewohnten und Vertrauten so leicht zurecht komme und mich trotzdem irgendwie zuhause fühle.
Lieber Freund, guter Bekannter oder liebes Familienmitglied: Ich wünschte du würdest mich besuchen kommen und in die Art von Freiheit, in dieses Leben hier mal rein schnuppern. Ich kann tausend Blogeinträge darüber verfassen wie es hier aussieht und wie schön es hier ist, aber niemand, der nicht hier war, wird das je wirklich verstehen.
Also, schwing die Hufe und ab nach Uganda, in die Perle von Afrika. Für Unterkunft und eine ganz neue Erfahrung ist gesorgt!
Und da ich weiß dass das vielleicht doch nicht so hufeschwingend-einfach ist, gibt es hier mal wieder eine Ladung Bilder aus meinem Leben, damit ihr zumindest ein paar Megapixel von Kasese seht.

Pasta bei Jambos *.*
Mein erster Kochversuch auf offenem Feuer im Garten 
Eine Kuhherde auf dem Weg zum Garten wie man sie hier oft sieht 
Mit Lauren auf dem Weg nach Kilembe (die schönste 30 minütige Bodafahrt die ich je hatte!)
Vorbei an den Schäden, die die Flut hinterlassen hat
Meine Marktausbeute
Ein zuckersüßer Ferkeltrupp vor dem Office

Mittwoch, 16. September 2015

Wohnungsanguckpost.

Wasibiri meine deutschen Kartoffeln, was macht die Kälte?

Heute wollte ich euch mal mein neues Heim vorstellen.
Okey, gelogen, eigentlich nur Schlaf- und "Vor"raum. Denn den ganzen Wohnkomplex enthalte ich euch mal lieber vor, da den auch noch zwei andere Menschen nutzen und ich nicht weiß, ob die das so gut finden wenn ich da Bilder von ins Netz stelle.
Die Küche hab ich übrigens doch für mich alleine; die und mein Klo/Duschkammer liegen allerdings nicht in meiner "Wohnung", sondern drei Meter vor der Tür. Heißt, um aufs Klo oder duschen zu gehen hab ich meinen Morgenmantel, damit der Guard (ab und zu sind auch seine Tochter, sein Sohn oder seine Frau da) oder mein Mitbewohner aus Kampala frühs meine mit Kissenabdrücken übersähte Haut nicht sehen müssen.
Das ist aber kein Drama, und mal kurz an die frische Luft zu müssen bevor ich mir frühs einen Kaffee mache, ist ja auch nichts Schlechtes.

Die Eingangstür, links daneben Schuhe, ein Helm (von wem auch immer)
Wir drehen uns ein bisschen nach links: mein Schreibtisch mit Kill Bill und Fotowand
Wir dreen uns noch weiter links und sehen... eigentlich nicht viel. Eine Kommode und....Gardinen?
Sooo aber jetzt! Das zweite Zimmer, mein Schlafzimmer
noch kleiner als mein WG-Zimmer in Deutschland, dafür mit...
...Prinzessin-likem Moskitonetz, Ventilator, Kleiderkiste (in der Ecke) und einer...
....super coolen Collage aus Zeitschriften die ich hier in der Wohnung gefunden habe - mit wunderbarer Hilfe vonFranzi und Chiara, zwei anderen Freiwilligen meiner Organisation 

Ich hoffe euch hat der kleine Rundblick gefallen und ihr weint nicht zu sehr, weil der Sommer jetzt vorbei ist und es sehr bald wieder sehr, sehr kalt und eklig wird. Also bei euch. Bei mir nicht.
See you!

Mittwoch, 2. September 2015

Fehlinformation.

Waboukiyre meine Lieben,

seit elf Tagen bin ich jetzt in Kasese und fühl mich hier mehr oder weniger wohl.

Mehr; weil ich die Stadt liebe und mit netten Menschen zu tun habe.
Weniger; weil ich mir meinen Schlafplatz mit einer Ratte (Die sich aber mieser Weise zwischen Decke und Dach versteckt und mich nur mit ihrem Nagen und Scharren verrückt macht - Unangenehm, wenn man wie ich ein Loch in der Decke hat und große Angst davor, dass dieses Monster dieses als Tür sieht und mich irgendwann morgens mal überrascht) teile und weil ich mich - noch - ziemlich nutzlos in meinem Projekt fühle.
Mein Chef ist toll, genauso die Farmer und das Gelände, aber mir wird deutlich gemacht, dass er schon jetzt die volle Ladung Eigeninitiative erwartet, irgendein kreatives Projekt, dass ich selbst auf die Beine stelle. Und an dieser Kreativität mangelt es mir scheinbar noch. 

Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit einspielt und ich Ideen finde, aber noch kenn ich einfach zu wenig von Bio Gardens und der Arbeit meines Chefs, um was eigenes zu starten  und dackel brav den anderen hinterher um zu fragen, wo ich helfen kann.

Gerade sitze ich in dem Büro einer Partnerorganisation es schüttet aus Eimern. Und zwar richtig. 
Seit zwei Tagen gibt es immer wieder so einen dreißig-minütigen Regenschauer, den Rest des Tages ist meistens sehr warm.  
Aber, und jetzt komm ich zur Fehlinformation; Von allen Leuten, die bisher schonmal in Kasese waren, bekam ich immer nur zu hören - "Oh Kasese... It's hot and dusty!", kaum einer hat mir gesagt wie wunderschön die Stadt ist, mit den Bergen im Hintergrund, vielen kleinen Supermärkten, in denen man praktisch alles findet, was man denn so suchen könnte, teils sehr netten Menschen (kein Vergleich zur fränkischen "Offenheit") und dem vermutlich tollsten Café in Ostafrika: Jambo. 
Ja, es ist warm, sehr warm sogar, aber auch nicht heißer als ein sehr warmer Tag in Deutschland. Ich mag die Wärme. Wenn ich Bilder zeige, hab ich schon oft gehört, dass Kasese ein Bisschen aussieht wie aus einem Western-Film abgekupfert. Und ein Bisschen stimmt das auch, nur noch staubiger und mit Ziegen statt Kühen (Oder was in Western-Filmen sonst so rumläuft) auf der Straße-
Was ich hier außerdem liebe, sind die Bodafahrten, besonders die zum Garten (in dem ich dreimal die Woche bin) und wieder zurück. Da führt der Weg an Feldern vorbei, auf denen man vereinzelt Farmer sieht und - und ich werd nicht aufhören das zu erwähnen, bis ihr mir glaubt wie wunderschön das ist - die Berge im Hintergrund.
Wenn ich morgens hinter dem Bodafahrer auf dem Polster sitze, mit dieser tollen Kulisse, es ist noch angenehm "kühl", und zur Arbeit in den Garten fahr, fühl ich mich frei. 

Letzte Woche saß ich Freitagabend mit drei anderen Volunteers (zwei aus der USA, eine aus England) auf ein paar Bier in einer Bar und seit gestern hab ich auch noch einen neuen Mitbewohner, mit dem ich mir Küche und Wäscheleine teile. Einsam fühl ich mich also noch nicht, und ich glaube auch das wird noch ein ganzes Weilchen dauern.

Jetzt mal zum Essen.
Wenn ich mit meinem Chef und Mary Lunch esse auf der Arbeit oder auch in praktisch allen Restaurants und Haushalten, gibt es eigentlich immer das gleiche: Reis, Posho (eine Art Klumpen aus Reis- bzw. Maismehl), Süßkartoffeln, normale Kartoffeln, Matoke (Bananenbrei) oder Fleisch mit Erbsen-, Bohnen-, oder Erdnussoße.
Gewürzt wird hier eigentlich mit nicht viel anderem außer Salz. Mir schmeckts trotzdem gut, mal sehen wie lange noch, bis es mir zum Hals raushängt und ich mir aus Verzweiflung im Jambo eine Pizza bestelle (Die gibts da, genauso wie Pancakes und sämtliche Pastagerichte), höhö.

Typisches Streetfood ist hier Chapati (Fladenbrot, sieht aber eher aus wie Pfannkuchen), Fleischspieße, gegrillte Bananen und Rolex (Omelett in Chapati eingeroltl), was auch alles sehr lecker ist (besonders Rolex!).

Hier in Kasese gibts auch viele westliche Restaurants/Cafes, aber bisher komm ich, wie gesagt, mit dem local food sehr gut klar.

Mein Chef hat mir jetzt übrigens netterweise einen Sprachlehrer vermittelt und morgen hab ich meine erste Stunde - yeay!

Hier jetzt noch ein paar Eindrücke und damit bis nächstes mal, see you!


Der Arbeitsweg
Kasese bei Sturm und Gewitter


Der Garten

Die Bienenkästen im Garten - leider aber ohne Bienen